Startseite Sagen und historische Persönlichkeiten Sagen

Ehrenrettung des Johann Georg Feuchter


Aus Anlaß des 350. Geburtstages der St. Concordia-Kirche im Jahr 2011 haben Herr Harry Weghenkel und die Theatergruppe gemeinsam mit der Schüler-Musikgruppe Mixery des Ruhlaer Albert-Schweizer-Gymnasium mit großem Erfolg in der Concordia-Kirche ein Theater-Stück aufgeführt, das auf eine Ruhlaer Sage zurückgeht. In ihm wurde die Sage über den Ruhlaer Pfarrer Johann Georg Feuchter erzählt, der nach seinem Tode in Ruhla gespukt haben soll, da er das am Grabe seiner Frau gegebene Versprechen gebrochen hat, nie mehr zu heiraten. Kurze Zeit nach derer Tod habe er jedoch wieder geheiratet. Wegen dieses Eidbruchs ist er dann verdammt worden und mußte in der Kirche, wo er im Altarraum bestattet wurde, spuken. Jesuitische Exorzisten haben dann seinen Spukort in die Gollert verlegen können, wo er angeblich noch heute spukt.

Was wissen wir nun über diesen Pfarrer Feuchter?
Dazu einige Vorbemerkungen zu den ersten ca. hundert Jahren nach Gründung der Concordia-Kirche. Wie aus Veröffentlichung über die Geschichte der Concordia-Kirche, herausgegeben anläßlich des 250jährigen (1911) und 350jährigen (2011) Kirchenjubiläums hervorgeht, gab es zwischen der Gemeinde und den ersten beiden Pfarrern keine Streitereien. Dies änderte sich jedoch in der Amtszeit des 3. Pfarrers.
Der Ruhlaer Gemeinde E.O. war vom Eisenacher Herzog bei ihrer Gründung das Patronatsrecht zuerkannt worden. Um die Nachfolge des 2. Pfarrers hatten sich 8 Kandidaten beworben, von denen 2 von etwa gleich starken Fraktionen in der Gemeinde favorisiert wurden. Da man in Ruhla zu keiner einvernehmlichen Lösung kam, sprach das Oberkonsistorium ein Machtwort, setzte das Patronatsrecht außer Kraft und präsentierte einen eigenen Kandidaten, der dann von der Gemeinde auch akzeptiert wurde (werden mußte?).
Dies war natürlich kein guter Start und es ergaben sich auch bald Streitigkeiten zwischen Pfarrer und Gemeinde, die dann auch nach ca. 30jähriger Dienstzeit zu seiner Versetzung führten. Bei diesen Streitigkeiten ging es wohl um Besoldungsfragen. Aber auch die Frau des Pfarrers mischte sich in die Amtsgeschäfte ihres Mannes ein, was zu Spannungen führte. Nach ca. 30jähriger Tätigkeit in Ruhla wurde er 1723 als Oberpfarrer nach Ostheim/Rhön und dann 1728 nach Wolferstedt versetzt, wo er 1732 starb. Seine Witwe kehrte nach dem Tode ihres Mannes nach Ruhla zurück, wo sie 1737 starb.

Dieser dritte Pfarrer war:
Johannes Feuchter
* Neidhartshausen 16.4.1667 † Wolferstedt 1732
Nach Studium in Leipzig wurde er 1694 in Eisenach ordiniert und erhielt 1694 seine erste Pfarrstelle in Ruhla. Dort heiratete er 1695 Anna Splithausen aus Freiensteinau bei Lauterbach in Hessen. Sie starb 1737 in Ruhla. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor, von denen aber 6 im Kleinkindalter starben. Die beiden überlebenden Söhne waren: Johann Wilhelm * 5.3.1699 und Johann Georg * 29.4.1701 † Ruhla 26.6.1758. Beide Söhne heirateten in Ruhla Schwestern, Töchter des Handelsmanns Jacob Schenck und seiner Ehefrau Maria geb. Sander.
Johann Wilhelm heiratete 1724 Anna Catharina Schenck * 26.4.1702. Er war Oberförster in Hildburghausen.
Johann Georg heiratete 1730 Christina Maria Schenk * 28.9.1704. Er ist der angeblich spukende Pfarrer.
Die Beziehungen der Familie Feuchter zu Ruhla können aber auch nach der Versetzung nach Ostheim bzw. Wolferstedt nicht so schlecht gewesen sein, wie behauptet wurde, sonst hätten die beiden söhne nicht die Töchter eines angesehenen Ruhlaer Handelsmanns geheiratet und wäre die Witwe nach dem Tode ihres Mannes (1732) nicht nach Ruhla zurückgekehrt, wo sie 1737 starb, also bevor ihr Sohn hier Pfarrer wurde.

Nach der Versetzung von Johann Feuchter nach Ostheim wurde 1724 Johann Andreas Schulrabe Pfarrer, der aber nach Querelen mit der Gemeinde 1739 als Stiftsprediger nach Eisenach berufen wurde.

Wegen der anhaltenden Streitigkeiten in der Gemeinde wurde der Gemeinde das Patronatsrecht entzogen und vom Oberkonsistorium Johann Georg Feuchter, Sohn des 3. Pfarrers Johannes Feuchter als Nachfolger eingesetzt. Man hoffte wohl, daß mit ihm Ruhe eintreten würde, da er mit einer Ruhlaerin verheiratet war, die aus einer der führenden Familien Ruhlas stammte.
Diese Hoffnung scheint sich aber nicht bestätigt zu haben. Auch in seiner Amtszeit kam es zu merklichen Streitereien in der Gemeinde, so daß das Oberkonsistorium in Eisenach mit drastischen Strafen drohte. Die verwandtschaftlichen Beziehungen mit der Familie seiner Frau scheinen das Verhältnis zur Gemeinde eher belastet zu haben. Im Landeskirchenarchiv in Eisenach befinden sich zwei interessante Schriftstücke, die darauf hindeuten.

Johann Georg Feuchter wurde 1701 in Ruhla geboren. Er studierte in Leipzig und wurde 1729 in Eisenach ordiniert. Nach Tätigkeiten in Wolferstedt und in Bischofroda wurde er 1739 Pfarrer in Ruhla. 1730 heiratete er in Ruhla Christina Maria Schenck, die Tochter des Handelsmanns Jacob Schenck, die 1751 starb. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor. 1754 heiratete er dann Friederike Dorothea Hartwig, die Tochter des Benstedter Pfarrers Gottlieb Nicolaus Hartwig. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, von denen eine als Kleinkind starb. Nach dem Tode von Johann Georg Feuchter verließ seine Witwe Ruhla und heiratete später in Dorndorf/Rhön einen Beamten. Auch sie scheint kein gutes Verhältnis zur Gemeinde gehabt zu haben. Das Angebot von zwei Dukaten, die diese ihr anläßlich des Todes ihres Mannes vermachen wollte, lehnte sie ab, wie extra im Kirchenbuch vermerkt ist.

Insbesondere zu Feuchters Schwager, dem Kaufmann Johann Wolfgang Schenck, scheint ein gespanntes Verhältnis geherrscht zu haben. Bereits 1740, also ein Jahr nach seinem Amtsantritt geht es um eine Angelegenheit der Kirchendisziplin, die seinen Schwager, den Kaufmann Johann Wolfgang Schenck, betraf.
Schenck hatte 1739 geheiratet. Bereits 6 Monate nach der Heirat wurde ihm ein Sohn geboren. Feuchter bat nun das Oberkonsistorium wegen des schlechten Verhältnisses zu seinem Schwager darum, nicht untersuchen zu müssen, ob das Kind bereits vor der Heirat gezeugt worden sei. Es könnte sich durchaus um eine Frühgeburt handeln, da Feuchter schreibt, daß er das Kind wegen seines schlechten Gesundheitszustandes genottauft habe.

In einem zweiten Schreiben aus dem Jahre 1746 bittet er darum, nicht die Leichenpredigt für seine Schwiegermutter halten zu müssen, da das Verhältnis zu ihr sehr schlecht war. Zu diesem Zeitpunkt war seine Schwiegermutter 77 Jahre alt und er rechnete mit ihrem baldigen Tod rechnete. Sie starb aber erst 1751.

Es ist zu vermuten, daß die negative Propaganda gegen Johann Georg Feuchter, die Grundlage für die Spukgeschichte ist, wohl von der Familie Schenck ausgegangen ist und möglicherweise der Familie Malsch, beides führende Familien in Ruhla Eisenacher Orts. Johann Wolfgang Schenk´s Frau Elisabeth Margaretha war eine geborenen Malsch.
                                                                                                                       Prof. Peter Geck, Ruhla