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Namhafter Orgelvirtuose unterwegs im Erbstromtal


Die Liebhaber der Orgelmusik kamen am vergangenen Sonnabend voll auf ihre Kosten, denn in der Ruhlaer St. Concordia Kirche wurde ein Konzert der besonderen Art dargeboten. Kein geringerer als der Kantor Matthias Grünert der weltweit bekannten Dresdner Frauenkirche gastierte in Thüringen im Rahmen einer „Orgelfahrt“, eine Konzertreise, bei der er an einem Tag binnen weniger Stunden mehrere, nicht nur sakrale, auch andere Gastspielorte besuchte. Schon am Morgen ging es zu drei Stationen in Eisenach, ins Bachhaus, in die Georgenkirche und zur katholischen Kirche St. Elisabeth. Am Nachmittag erklangen die Orgeln in den Gotteshäusern von Mosbach und Kittelsthal, bevor abends zum Finale die 106 Jahre alte Jehmlich-Orgel der Ruhlaer Winkelkirche bespielt wurde. Natürlich gehört zur Durchführung solcher Konzerttagestouren eine intensive Vorbereitung, die ein kleines Organisationsteam um Christiane Linke übernimmt. Im Vorfeld werden Konzertorte ausfindig gemacht, Informationen über die Orgeln eingeholt, die passende Tour entsprechend der machbaren Entfernungen zusammengestellt sowie Programmbroschüren gedruckt. Seit ungefähr 15 Jahren gibt es nun schon diese Orgelfahrten in Sachsen, Thüringen und Franken, jedoch erstmalig mit Einbeziehung der Kirchen im Erbstromtal. Mittlerweile hat sich sogar ein Fan-Club gebildet, der den 44jährigen Grünert während der gesamten Tour begleitet und die Highlights in Bild und Ton festhält. Für die Fans ist jedes Konzert ein Novum, denn die Musikstücke wählt der Künstler entsprechend der Disposition der jeweiligen Orgel unter Berücksichtigung der vorhandenen Register individuell aus. So suchte er für das romantische Ruhlaer Instrument auch ein romantisches Stück aus, nämlich die anspruchsvolle Sonate Nr. XI d-moll Opus 148 aus der Feder von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901). Diesem Klangerlebnis wohnten rund 60 Konzertbesucher bei. Der besondere Reiz für Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, der in Dresden auf einer Orgel der Straßburger Manufaktur „Daniel Kern“ spielt, ist, dass er vorher nie weiß, wie sich die fremden Orgeln spielen lassen oder wie sie klingen. Unverzichtbar ist dabei sein Assistent Matthias Erler, selbst Organist, der die Orgeln vorbereitet und während der Virtuose spielt, die Register zieht und die Notenlektüre blättert. Lobende Worte über den Zustand der Jehmlich-Orgel erfreuten natürlich auch den anwesenden Bernhard Kutter, der vor neun Jahren das Kircheninstrument in Ruhla generalüberholte. Auch Pfarrer Gerhard Reuther fand dankende Worte und machte darauf aufmerksam, dass der aus Ruhla stammende Komponist Friedrich Lux auch wohlklingende Orgelwerke schuf. Vielleicht wird man vom Kantor Grünert bei seiner nächsten Orgelfahrt ein solches Stück hören?
                                                                                                     Thomas Kirchhof / „Ruhlaer Zeitung“